
Konzept für das Haus der Inklusion
🏠 Konzeptpapier
Haus der Inklusion
1. Ausgangslage und Zielsetzung
Inklusion bedeutet, dass alle Menschen – unabhängig von Behinderung, Alter, Herkunft, Geschlecht oder sozialem Status – gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Um dieses Ziel auf kommunaler Ebene aktiv zu fördern, soll ein Haus der Inklusion entstehen.
Das Haus wird als zentraler Begegnungs-, Beratungs- und Beteiligungsort konzipiert, an dem verschiedene Akteure und Institutionen zusammenarbeiten. Es soll Barrieren abbauen, Teilhabe fördern und ein lebendiges Zeichen für gelebte Inklusion in der Gemeinde setzen.
Ziel des Projekts:
Schaffung eines Ortes, der Information, Beratung, Begegnung und Mitbestimmung vereint – offen für alle Menschen, mit und ohne Behinderung.
2. Leitidee
Das Haus der Inklusion soll ein Raum sein, der Gemeinschaft, Unterstützung und Vielfalt sichtbar macht.
Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten.
Das Haus versteht sich als offenes, barrierefreies Zentrum, das unterschiedliche Angebote unter einem Dach vereint – von Beratung über Rückzugsmöglichkeiten bis hin zu gemeinschaftlichen Aktivitäten.
Leitgedanke:
„Miteinander statt nebeneinander – Inklusion leben, erleben und gestalten.“
3. Angebotsstruktur und Funktionsbereiche
3.1 Beratungsbereich
Der Beratungsbereich bildet das Herzstück des Hauses. Hier finden Ratsuchende kompetente Ansprechpersonen zu vielfältigen Themen rund um Inklusion, Teilhabe und Unterstützung.
Angebote:
- Beratung durch den Inklusionsbeirat
- Regelmäßige offene Sprechstunden
- Unterstützung bei individuellen Anliegen (Barrieren im Alltag, Rechte, Teilhabe)
- Beteiligung an der Weiterentwicklung des Hauses
- Beratung durch Institutionen und Organisationen, u. a.:
- PIA, PKL, Seniorenbeauftragte, Jugendhilfe, Hilfsorganisationen, Vereine
- Themenspezifische Beratungstage (z. B. Pflege, Bildung, Arbeit, Wohnen)
- Beratungsangebote in leichter Sprache und bei Bedarf mit Gebärdensprachdolmetschung
Ziel:
Zentrale Bündelung der Beratungsangebote, kurze Wege und vernetzte Unterstützung für Bürgerinnen und Bürger.
3.2 Raum der Stille
Neben Austausch und Aktivität braucht Inklusion auch Orte der Ruhe.
Der geplante Raum der Stille bietet einen geschützten Rückzugsort – unabhängig von Religion oder Weltanschauung.
Funktion und Ausstattung:
- Ort der Entspannung, des Nachdenkens und des Gebets
- Ruhige, barrierefreie Gestaltung mit schallisolierten Wänden
- Neutrales Design ohne religiöse Symbole, offen für alle Glaubensrichtungen
- Sitzmöglichkeiten, sanfte Beleuchtung, taktile Orientierungselemente
Ziel:
Schaffung eines wertfreien Rückzugsortes für alle Besucherinnen und Besucher, insbesondere auch für Menschen mit sensorischer Überforderung.
3.3 Begegnungs- und Gemeinschaftsbereich
Der Begegnungsbereich soll als sozialer Mittelpunkt des Hauses fungieren. Hier steht das Miteinander im Vordergrund.
Angebote:
- Offener Café- oder Treffpunktbereich für Begegnung und Gespräche
- Gesprächsrunden und Freizeitangebote für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen und Hintergründe
- Kulturelle und inklusive Veranstaltungen (z. B. Themenabende, Musik, Lesungen, Workshops)
- Kooperation mit Schulen, Vereinen und Initiativen
Ziel:
Förderung von sozialem Austausch, gegenseitigem Verständnis und Inklusion im Alltag.
3.4 Sitzungs- und Mehrzweckräume
Die Sitzungsräume bieten Raum für den Inklusionsbeirat, Vereine, Selbsthilfegruppen und externe Partner.
Ausstattung:
- Barrierefreie Zugänge und flexible Bestuhlung
- Technische Ausstattung für hybride Besprechungen (Video, Audio, Präsentation)
- Nutzung für Workshops, Schulungen, Informationsveranstaltungen und Fortbildungen
Ziel:
Ein Ort für Dialog, Vernetzung und gemeinsames Arbeiten.
3.5 Informations- und Empfangsbereich
Der Empfangsbereich dient als erste Anlaufstelle für alle Besucher*innen.
Merkmale:
- Zentrale Informationsstelle mit freundlichem Empfang
- Übersicht über Angebote, Ansprechpartner und aktuelle Termine
- Digitale Infoterminals mit Informationen in Schrift, Ton und Gebärdensprache
- Barrierefreie Wegführung, taktile Beschilderung und gute Orientierung
Ziel:
Ein einladender, gut strukturierter Ort, an dem alle Menschen unkompliziert Unterstützung finden.
4. Ergänzende Angebotsideen
| Bereich | Erweiterung / Zusatzangebot |
|---|---|
| Freizeit & Kultur | Kreativwerkstatt, Ausstellungen, gemeinsame Projekte mit Schulen oder Künstlergruppen |
| Bildung & Arbeit | Beratung zu Arbeitsassistenz, Qualifizierungsprojekten, barrierefreiem Arbeitsleben |
| Fortbildung & Sensibilisierung | Schulungen für Verwaltung, Betriebe und Ehrenamtliche zum Thema Inklusion |
| Digitale Teilhabe | Online-Beratungen, barrierefreie Webseiten, Unterstützung bei der Nutzung digitaler Geräte |
| Mobilität & Erreichbarkeit | Barrierefreie Anfahrt, E-Rollstuhl-Ladestellen, Kooperation mit Fahrdiensten |
5. Räumliche Gliederung (Beispiel)
| Bereich | Fläche (ca.) | Beschreibung |
|---|---|---|
| Empfang / Info | 40 m² | Begrüßung, Orientierung, Informationsbereich |
| Beratungsräume (3–4) | je 15–20 m² | Vertrauliche Einzel- und Gruppengespräche |
| Raum der Stille | 20 m² | Rückzugs- und Entspannungsraum |
| Begegnungsbereich / Café | 60 m² | Treffpunkt, offene Veranstaltungen |
| Sitzungsräume (2) | je 30 m² | Beirat, Vereine, Schulungen |
| Sanitärbereiche | — | Barrierefrei, genderneutral |
| Lager / Technik | — | Ausstattung, Veranstaltungstechnik |
6. Organisation und Betrieb
Trägerschaft:
Die Kommune in Kooperation mit dem Inklusionsbeirat.
Kooperationspartner:
PIA, PKL, Seniorenbeauftragte, Jugendhilfe, Hilfsorganisationen, Vereine, Selbsthilfegruppen, Schulen.
Personalstruktur:
- Koordinator*in (Verwaltung / Organisation)
- Verwaltungskraft (Empfang, Büro)
- Ehrenamtliche Mitarbeitende
- Fachberater*innen auf Abruf
Öffnungszeiten:
Regelmäßige Beratungszeiten (z. B. 3–4 Tage pro Woche) und offene Begegnungszeiten am Nachmittag.
Finanzierung:
- Kommunale Mittel
- Förderprogramme (z. B. Aktion Mensch, Landesmittel, Inklusionsfonds)
- Spenden und Sponsoring
- Projektmittel aus Kooperationen
7. Ziele und Wirkung
Das Haus der Inklusion wird:
- die Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen stärken,
- Vernetzung zwischen Akteuren fördern,
- Barrieren abbauen – physisch, kommunikativ und gesellschaftlich,
- Bewusstsein und Sensibilität in der Bevölkerung schaffen,
- und damit einen sichtbaren Beitrag zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention leisten.
8. Fazit
Das Haus der Inklusion wird zu einem Ort, an dem Vielfalt als Stärke erlebbar wird.
Es vereint Beratung, Begegnung, Rückzug und Beteiligung – und steht damit für eine Kommune, die Inklusion nicht nur fördert, sondern aktiv lebt.
„Inklusion beginnt dort, wo Menschen sich begegnen.“
©Thomas Linke 2025